19.10.2020

Aktueller Gletscherrückgang führt zu verstärkter Steinschlagaktivität

Im Rahmen eines sechsjährigen Laserscan-Monitorings in den Hohen Tauern haben Geowissenschaftler aus Österreich, Deutschland und der Schweiz (GEORESEARCH, Universität Salzburg, TU München, Universität Bonn, Universität Lausanne) den Zusammenhang zwischen aktuellem Gletscherrückgang und Steinschlagaktivität untersucht.

Die Ergebnisse der am Schmiedingerkees durchgeführten Studie sind vor wenigen Tagen in der international führenden Fachzeitschrift ‚Earth Surface Dynamics‘ erschienen und zeigen ein deutliches Signal: Steinschläge und Felsstürze lösen sich besonders häufig aus Wandbereichen die in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Folge des Gletscherrückgangs freigelegt wurden.

Seit dem Höhepunkt der „Kleinen Eiszeit“ um 1850 haben die Alpengletscher rund die Hälfte ihres Volumens verloren, ein besonders intensiver Gletscherrückgang wird seit den frühen 1980ern verzeichnet. Die offensichtlichste Folge ist dabei das Rückschmelzen der Gletscherzungen – aber auch an den oberen Gletscherbereichen, den Karen, geht der Klimawandel nicht spurlos vorüber. Aktuell legen die schmelzenden Eismassen hier Felswände frei, die zumindest während der letzten 1000 Jahre mit Gletschereis bedeckt waren.

Im Rahmen der neu erschienenen Studie wurden die Rück- und Seitenwände eines rückschmelzenden Gletschers in den Hohen Tauern (Schmiedingerkees, Salzburg) von 2011 bis 2017 durch aufwändige Laserscan-Messungen erfasst. Der resultierende Datensatz beinhaltet mehr als 600 Steinschlagereignisse und ist damit die umfangreichste Dokumentation von hochalpinem Steinschlag weltweit. Die einzigartigen Daten zeigen klar den Zusammenhang zwischen Gletscherrückgang und Steinschlagaktivität: An die aktuelle Gletscheroberfläche angrenzende Felsflächen weisen ein um 60 % erhöhte Steinschlaghäufigkeit, sowie ein achtmal höheres Steinschlagvolumen auf als die vom Gletscherrückgang unbeeinflussten, höher gelegenen Wandbereiche. Neben einer signifikanten Zunahme der Ereignishäufigkeit, zeigen die in den letzten Jahren und Jahrzehnten ausgeaperten Felsflächen somit vor allem eine drastische Zunahme der Ereignisgrößen.

Die Studienergebnisse unterstreichen wie der Klimawandel das Auftreten von Naturgefahren beeinflusst und bilden damit eine wichtige Grundlage für rechtzeitige Anpassungsmaßnahmen im Hochgebirge. In den kommenden Jahrzehnten ist in Folge der prognostizierten klimatischen Erwärmung von einem weiteren intensiven Rückschmelzen der Hochgebirgsgletscher auszugehen. Weltweit wird erhöhte Steinschlagaktivität in frisch ausgeaperten Felswandbereichen in den nächsten Jahren weiter Bedeutung gewinnen.

Die Studien, die von der Fachzeitschrift als ‚highlight‘ klassifiziert wurden, wurde von der ÖAW finanziert und wären ohne die großzügige logistische Unterstützung der Gletscherbahnen Kaprun AG nicht realisierbar gewesen.

Quellen: Hartmeyer, I., Delleske, R., Keuschnig, M., Krautblatter, M., Lang, A., Schrott, L., and Otto, J.-C.: Current glacier recession causes significant rockfall increase: the immediate paraglacial response of deglaciating cirque walls, Earth Surf. Dynam., 8, 729–751, https://doi.org/10.5194/esurf-8-729-2020, 2020.

Hartmeyer, I., Keuschnig, M., Delleske, R., Krautblatter, M., Lang, A., Schrott, L., Prasicek, G., and Otto, J.-C.: A 6-year lidar survey reveals enhanced rockwall retreat and modified rockfall magnitudes/frequencies in deglaciating cirques, Earth Surf. Dynam., 8, 753–768, https://doi.org/10.5194/esurf-8-753-2020, 2020. 

Bild: Der Großteil der registrierten Steinschläge (rote Bereiche) löste sich aus einem schmalen Saum entlang der Gletscheroberfläche, welcher in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Folge des Gletscherrückgangs freigelegt wurde.

 

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